Aufruf zum Boykott

Nein, ich möchte diese Umfrage nicht kaufen.
Am kommenden Dienstag soll gemäß derzeitigem Beschlußstand des Bundesvorstands eine in dieser Partei bisher beispiellose Umfrage stattfinden. Auf Antrag von Beisitzer Klaus Peukert soll per Mitgliederumfrage nicht nur Gewissheit über die Rahmenbedingungen der Planung des kommenden Bundesparteitags in Neumarkt hergestellt werden.
Im Stile eines amok-artigen Befreiungsschlags soll dort aber auch die offenbar latent wahrgenommene Unzufriedenheit mit dem Bundesvorstand oder genauer mit den Personen im Bundesvorstand quantifiziert werden.
Um es klar zu vorwegzuschicken: das geht mal gar nicht!
Nicht nur dass dieser zweite Teil der Umfrage nach allen anerkannten und sinnvollen Maßstäben des sozialen Miteinanders ein Unding ist, der Bundesvorstand hat auch keinerlei Berechtigung, eine solche Umfrage zur Benotung von Amtsträgern durchzuführen. Nicht ohne Grund ist in der Satzung der Partei genau festgelegt, wie Wahlen stattfinden und welche Organe welche Aufgaben und Zuständigkeiten haben.
Die geplante offene Benotung einzelner Personen (nicht deren konkreter Arbeit) verbietet sich zudem bei Ehrenämtern, wie wir sie im Bundesvorstand der Piratenpartei nach wie vor haben. Ein solcher Schritt würde lange über die Amtszeit des jetzigen Bundesvorstands hinaus der Partei schaden.
Ja genau das ist mein Vorwurf, parteischädigendes Verhalten. Aus kurzgedachten, eigennützigen Motiven nimmt Antragsteller Klaus Peukert eine unkalkulierbare Beschädigung der Partei im Jahr der Bundestagswahl in Kauf.
Ein Beisitzer im Bundesvorstand, der es bisher noch nicht mal geschafft hat, seine erste einjährige Amtsperiode, für die ihn die Bundesmitgliederversammlung gewählt hat, hinter sich zu bringen, möchte hier spontan mal mächtig auf den Putz hauen, weil er die jetzige Situation als nicht mehr akzeptabel einstuft.
Für diese Notlage gibt es aber nur eine Möglichkeit: Klaus Peukert müsste zurücktreten, wenn er sich wirklich außerstande sieht, seine Aufgaben im Bundesvorstand weiter ausführen zu können. Falls er das nicht tut, soll er gefälligst seinen Job machen und nicht den Mitgliedern der Partei in einer solchen SpickMich-Farce seine Sicht der Dinge aufzwingen. Der Bundesvorstand ist keine Wohlfühlveranstaltung und der Auftrag der einzig relevanten Mitgliederversammlung (Bundesparteitag) ist klar und eindeutig. Lieber Klaus, die Scheisse an deinem Schuh interessiert mich einen Scheissdreck.
Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, dass wir gemeinsam der Meinung sind, dass Johannes Ponader bitte endlich zurücktreten möge und damit einer Nachwahl seiner Position in Neumarkt Platz machen sollte zum Wohle der Partei und ihres Bildes in der Öffentlichkeit. Diese Umfrage wird in dieser Hinsicht keinerlei Fortschritt bringen, außer einer weiteren Fortführung dieses unwürdigen öffentlichen Schauspiels bis zum Termin von Neumarkt. Genau das, was Klaus Peukert nach eigenem Bekunden eigentlich vermeiden möchte. Zusätzlich wird es aber auch Kollateralschäden geben. Sowas nennt man einen Bärendienst.
Bei diesem Unsinn werde ich nicht mitmachen. Ich lasse mich auch nicht vom Bundesvorstand oder einzelnen Mitgliedern desselben erpressen. Daher werde ich diese Umfrage komplett boykottieren, solange dort eine Komponente mit offener personenbezogener Bewertung oder sonstiger Unsinn drinsteht.
Und ich empfehle allen Piraten mit Sinn und Verstand das ebenso zu handhaben.
Wenn das genügend Piraten ebenso sehen, dann werden wir folgende Situation haben: Mit der Enthaltung drücken wir unseren Protest gegen die Art und Weise des Vorgehens aus. Übrig bleiben werden dann nur diejenigen, die das dringende Bedürfnis verspüren, ihren ganzen Unmut mal in einer persönlichen ‚Dislike‘-Attacke auszuleben. Mit dem ‚Ergebnis‘ einer solchen ‚Umfrage‘ sollte sich der Bundesvorstand im Vorfeld auseinandersetzen. Wenn genügend Mitglieder diese Umfrage boykottieren, bleibt nur ein Wust an negativer Bewertung übrig, die positiven Stimmen werden als Enthaltungen unsichtbar sein – die Umfrage ist damit wertlos und aussagelos. Ein von oben organisierter Shitstorm sozusagen.

Stattdessen sollten alle positiven Kräfte in dieser Partei Flagge zeigen. Sich klar gegen solche organisierten Unmutsbekundungen positionieren und sich auf die Arbeit konzentrieren. Wer sich mehrfach nicht an Absprachen hält und mit dem eine Zusammenarbeit offenbar nicht mehr möglich ist, wie Johannes Ponader im Bundesvorstand, den ignoriert man halt und arbeitet ohne ihn weiter. Zum Glück sind wir ja in keiner wichtigen Sache auf seine Arbeit angewiesen. Und dann vertraut man auf die Basis, dass sie für Neumarkt schon die richtigen Anträge stellt, wenn sie wen neu wählen möchte. Und zwar in 2 Tagen und nicht in 3. Wer tagelang meckern möchte, soll sich einen eigenen Termin suchen.

Wir können übrigens mit der Ergänzung des ‚online-assisted‘ Parteitags auch Programm und Nachwahl von Vorstandsposten in 2 Tagen machen. Darauf sollten wir nun unsere Energie verwenden. Dafür benötigen wir vor allem einen qualifizierten Vorschlag, welche wenigen Programmpunkte wirklich noch unbedingt in unser Bundestagswahlprogramm aufgenommen werden müssen und die Einsicht, dass wir Themen, die bereits gut im Programm drinstehen in Neumarkt gar nicht mehr erneut behandeln wollen.

Auf gehts.

(Updates 1: Link ergänzt, 2: Link gefixt)

Veröffentlicht in Ankündigung, Politik. 22 Comments »

22 Antworten to “Aufruf zum Boykott”

  1. Tom Says:

    +1 dem Antragsteller der Umfrage und dessen Unterstützern fehlt jeglicher Anstand – unabhängig von der Position zur Personalie Ponader. Vor der Umfrage war ich noch gegen eine Neuwahl. Seither bleibt nicht anderes mehr übrig.

  2. Fidel Says:

    Danke und +1 für diesen Beitrag.

    Da fahren einige Vollpfosten demokratische/rechtsstaatliche Grundsätze gegen die Wand und der vermeintlich ach so intelligente Schwarm soll den Unsinn womöglich auch noch bestätigen?!

    Lernt endlich, warum (Personen-)Wahlen gleich, geheim und frei sind/sein müssen! Das ist kein nice-to-have, verdammt!

  3. Bernd Says:

    Es geht schon lange nicht mehr um Johannes Ponader. Es geht um den BuVo an sich. Ich möchte mit einem BuVo in den Bundestagswahlkampf ziehen, der ein positives Image erzeugt. Deshalb bin ich inzwischen auch für Neuwahlen des gesamten BuVos in Neumarkt.
    Eigentlich sollte das unser aller Interesse sein.
    Keinesfalls werde ich bei der Umfrage „Kopfnoten“ vergeben, egal wie diese ausgehen wird, sie liefert nur weiteres Brennmaterial in die Feuersbrunst BuVo. Das sollten wir keinesfalls tun.

  4. Michael Ebner Says:

    Einen reinen Boykott halte ich nicht für zielführend, weil man dann in der Masse der Nicht-Reagierer untergeht.

    Laut https://wiki.piratenpartei.de/Bundesvorstand/Umlaufbeschluss/127 soll es jedoch ein Freitextfeld geben. Wenn man dort gegen die Art der Umfrage protestiert und ansonsten nichts ausfüllt, dürfte das hilfreicher sein.

  5. Katrin Hilger (@katrinhilger) Says:

    Ich würde Johannes Ponader anflehen, endlich seinen Platz zu räumen, bitte jetzt gleich, noch bevor die Umfrage durch ist, die ich auch problematisch sehe. Auch wenn mir bewußt ist, dass er nur ein Teil des Problems ist. Aber in seinem Beharren auf seinem Sessel macht er deutlich, warum so wichtig ist, dass er ihn räumt. Sein Ego ist ihm wichtiger als die Piraten. so wird er sich zum Märtyrer machen, weiter seine Privat-Wehwehchen an die Presse leiten und die Arbeit von tausenden Mitgliedern in den Schatten der Rocky Horror Buvo Show stellen.

  6. darealgonzo Says:

    Meine Strategie ist eigentlich allen BuVo MItgliedern, die diesen Umfragebeschluss mitgetragen hatten, per Umfrage den Rücktritt nahe legen zu wollen. Damit kann ich theoretisch nur noch zwei BuVo Mitglieder unterstützen.

  7. @KhainsHand Says:

    Vielen Dank für diese klare Aussage.
    Es ist traurig, wieviel Energie sinnlos verschwendet wird.
    – Wer ist der größere Narr? Der Narr, oder der Narr der ihm folgt?

  8. Lür Waldmann Says:

    Traurig. Ich bin gegen Neuwahlen, wir sollten uns auf Programmarbeit konzentrieren.
    Lür

  9. Hanns-Jörg Rohwedder Says:

    Programm Parteitag, keine BuVo-Neuwahl, +1 für diesen Blogbeitrag.

  10. UlliZ Says:

    SPON hat die Nummer doch schon entzaubert und generell medial erledigt.

    JP 5, setzen, heißt es dort und die anderen BuVo’s, so lala, irgendwas um die 3/befriedigend, und irgendwie nicht besonders ausdifferenziert.
    Nicht repräsentativ, Meinunsgbild, zufallsergebnis, nur Tendezaussage, und das über Personen? Das kann die Presse (gerne) machen, das ist deren täglich Brot. Der BuVo dagegen, selbst, wenn man sich einig wäre, was man nicht ist – sind Schulnoten für Parteimitglieder im Vorstand der Problemlöser?

    Was bringt das?

    bei SPON: Klicks. Das ist deren Währung.
    bei der Partei selbst: weiteres Sich-selbst-Zerlegen. Ist das etwa unsere Währung? Ich denke: Nein

  11. Heinrich von Aspelkamp Says:

    Alles schön und gut – außer der Sache mit der Forderung, der Herr möge doch zurücktreten. Das entlarvt diese Reaktion leider wieder einmal als personen- statt sachbezogen. Und es führt an der wahren Frage vorbei, nämlich der, wieso ein solcher (objektiv wahrscheinlich falscher) Schritt den handelnden Personen nötig erscheint. Wer es angesichts einer Situation, die einen Vorstand offenbar zu derart verzweifelten Maßnahmen treibt, nötig hat, mit polemischen Worten von der „Scheiße an deinen Schuhen“ zu kontern, der hat kein Recht, sich moralisch über den Shitstorm zu stellen, denn er ist selbst ein Teil davon.

    • nanuk Says:

      Zur Verdeutlichung: ich lege hier nicht Klaus Peukert einen Rücktritt nahe, sondern nur indirekt Johannes Ponader.
      Die ‚Scheisse am Schuh‘ hat Klaus Peukert in seinem Beitrag geprägt, ich nehme dies hier nur auf.
      (Update: habe das Zitat dort nun auch verlinkt)

  12. Wolf Roth (@grandpa_wolf) Says:

    Die Personalumfrage hat heute schon SPON umgesetzt und mit 5.000+ Votes sollte das jedem genügend zu denken geben, der sich nach anonymisierten Umfragen reckt. Aber wie UlliZ schon sagt: Bei SPON ist das auch richtig aufgehoben – als Aktion des BuVo ein schlichtes NoGo.

    Wir haben in Bochum bereits ein eindeutiges Votum für programmatische Arbeit abgegeben, und wem das nicht genügend Basis war, sollte sein Bild von „der Basis“ dringend überdenken. Ich grübele immer noch, was einen BuVo-Posten zur derart zähen Klebmasse macht, dass mancher so daran hängt.

    Und ich war zwar immer schon der Meinung, dass die jeweils besten Köpfe unsere Themen vertreten sollten, aber die seit Monaten offen vorgelebten Egotrips sind ja wohl der absolute Kontrapunkt zum Motto „Themen statt Köpfe“. Das wird auch durch diese krude Abstimmung nicht besser.

    Dem Boykottaufruf schließe ich mich an.
    +1

  13. Hannibal L. Says:

    Ich boykottiere nicht.

  14. Bernd Says:

    Du kannst den Beschluss nicht Tarzun alleine ankreiden (IMHO war der auch nur der Antragsteller der abgeminderten Variante), sondern dafür sind alle verantwortlich die den Beschluss getroffen haben..

  15. sabinemartiny Says:

    Ohne Menschen zu demontieren, hier noch etwas retten zu wollen, eine schwere Aufgabe! Was tun wir uns und den Bürgern, die uns gewählt haben und vielleicht noch wählen wollen, mit solchen Aktionen und fragwürdigen Umfragen an?
    Ich boykottiere diese Umfrage und da das nicht deutlich genug wird durch einfache Nicht-Beteiligung werde ich den gesamten BuVo auffordern, zurückzutreten!
    BPT in Neumarkt zum Wahlprogramm, um das sauber zu beenden, so schnell wie möglich weiteren BPT für Neuwahl!
    Und der Grund kann nicht sein: “ wir müssen unbedingt die Wahl gewinnen um in den Bundestag einzuziehen!
    Im jetzigen Zustand der Partei ist der Wunsch unerfüllbar!

  16. Matthias Zehe Says:

    Das Potential der Piratenpartei ist gigantisch. Es gibt immer wieder welche, die auch im Sturm klaren Kopf behalten. Danke für den Beitrag.

  17. u1amo01 Says:

    Danke für den Beitrag.


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