Mein Telefon ist keine Waffe

Letzte Woche kaufte ich im Kaufhaus ein Küchenmesser. An der Kasse bat mich die Verkäuferin um meinen Namen und meine Adresse. – Verblüfft? Klar, das ist natürlich erfunden, aber beim Kauf von SIM-Karten für Mobiltelefone wundern wir uns über sowas inzwischen schon fast gar nicht mehr. Zu Unrecht, denke ich, denn schliesslich hört man doch schonmal, wie jemand mit einem Messer verletzt oder getötet wird, nie jedoch mit einem Mobiltelefon.

Im Gegenteil ist ein Telefon ein Instrument der Kommunikation. Das ist dieser Austausch zwischen Menschen, der zu einem sozialen Wesen dazugehört, wie die sprichwörtliche Luft zum Atmen. Ohne Brotmesser könnte ich wohl leben, ohne Kommunikation nicht.

Als ich vor einige Tagen bereits auf die unterstützenswerte Petition 38209, Mobilfunk – Aufhebung der Registrierungspflicht für Prepaid-Simkarten, hingewiesen habe, gab es viel Unterstützung aber auch zwei kritische Nachfragen:

„schon mal überlegt was dann alles möglich ist Kriminelle werden vor Freude weinen………DUMMER ANTRAG“ und „wie will man dann den inhaber der nr feststellen?“

Interessanterweise sind das beides offenbar rein theoretische Einwände, denn seit zwei Monaten wissen wir: „Registrierungszwang von Prepaid-Mobilfunkkarten sinnlos„. Der AK Vorratsdatenspeicherung hatte einen internen Bericht des BKA veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass „die aktuell bestehende Form der Bestandsdatenerhebungspflicht in einer nicht unerheblichen Anzahl von Fällen ohne eine entsprechende Verifikationspflicht leer“ läuft.

Mit anderen Worten: alle Kriminellen, die ‚Donald Duck‘ oder ‚Micky Maus‘ angegeben haben, würden nicht vor Freude weinen, sondern wohl eher über den unbescholtenen Bürger lachen, der sich mit solchen Pseudoargumenten überwachen lässt. Und den Inhaber der Nummer feststellen? Wieso sollte man das denn tun wollen? Ist es denn so unvorstellbar, dass man mit einem Mobiltelefon genauso unüberwacht und ohne Pauschalverdächtigung kommunizieren will, wie zuvor ohne? Offensichtlich verfängt das ständige Terrorismusgeschwätz unserer Innenminister bei einigen Menschen schon so stark, dass sie den Zustand einer freien Gesellschaft mit freien Bürgern, deren Kommunikation nicht anlaßlos überwacht wird, gar nicht mehr auf dem Schirm haben. Also los, hoch mit dem digitalen Arsch und die Petition unterzeichnen, bis morgen (14.1.) geht das noch!

Und wenn diese Petition es dann noch nicht bewirkt haben sollte, dann kann man ja zum Erreichen des Ziels immer noch Piraten wählen, das nächste Mal am kommenden Sonntag in Niedersachsen, im Herbst dann in Bayern und für den Bundestag😉

4 Antworten to “Mein Telefon ist keine Waffe”

  1. Michael Goertz Says:

    Ich sehe das zwar nicht so „extrem“ (Terror und so), aber irgendwie beschäftigt mich doch im Kleinen das Thema Notruf! Vielleicht sollte man das einfach mal im kleinen sehen, denn durch den Registrierungszwang bei Prepaid-Mobilfunkkarten ist die Zahl der Notrufmissbrauche drastisch gesunken. Unter diesem Gesichtspunkt sehe ich diesen Zwang als gegeben an. Natürlich sollten diese Daten nicht für andere Zwecke missbraucht werden, sondern sollten nur dazu dienen, die jeweiligen Besitzer ausfindig machen zu können.

    • DasNordlicht Says:

      Kann es sein das das fehlen von Telefonzellen einen höheren Einfluß auf die „Notrufmissbrauche“ hat als registrierte SIM Karten? Alleine der Münzzwang an den alten Münztelefonen in der nähe von Schulen hat erheblich weniger Anrufe auf kostenfreie Rufnummern gebracht.

  2. alphachamber Says:

    Hallo! Interessanter Blog und gute post.
    Diese SIM Karten Registrierung ist einer der Anti-Terror-Diktate der USA an die Welt. [In Thailand, wo die US Botschaft als defacto Schattenkabinett mitregiert, machte man diesen buerokratischen Schwachsinn sofort mit – und trieb die Formalitaeten zu neuen Hoehen] Und das mit dem Kuechenmesser kommt auch noch. In Kambodscha gibt es z.B. Batterie-Saeure offiziell nur auf Bezugschein, weil ein paar eifersuechtige Gattinnen ihre Rivalinnen regelmaessig die Gesichter veraetzten.
    Vielleicht interessiert Sie auch mein Blog:
    hxxp://www.liberalerfaschismus.wordpress .com. Klicken Sie bitte auf “Der Staats-lose Bürger”.
    MFG, alphachamber.

  3. disi Says:

    Ich war schon sehr ueberrascht als ich letztes Weihnachten meinem Neffen eine neue SIM-Karte schenken wollte.
    Der Verkaeufer im Vodafone Shop fragte mich nach meinem Ausweis, da wurde ich neugierig. Anscheinend gibt es diese Pflicht schon sehr lange, bisher wurden die SIM-Karten wohl noch so verkauft und am Ende des Tages hatte der Verkaeufer dann fiktive Namen eingetragen.
    Letztenendes habe ich ihm meinen alten Ausweis gezeigt, mit Wohnort Hannover und er meint wenn es in der Familie bleibt waere das kein Problem.
    Wenn der alte Ausweis auslaeuft, kann ich keine SIM-Karten mehr in Deutschland kaufen.


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