innere Zerissenheit

Die Zeitungsverlage machen sich Sorgen und sie machen uns Sorgen. Sie machen uns Sorgen, indem sie über uns schreiben und uns als Boten für die überbrachte Nachricht verantwortlich machen. Wie und worüber sie sich selbst Sorgen machen zeigt beispielsweise der in Verlagsfragen offen ausgetragene Konflikt zwischen dem Online– und dem Printbereich der Redaktion der ZEIT. Welcher dieser drei Artikel auch in der Printausgabe erschienen ist, läßt sich leicht nach wenigen Sätzen erkennen: [1],[2],[3]. Im Gespräch mit einzelnen Redakteuren wird der innerredaktionelle Konflikt auch nicht geleugnet, die Jüngeren finden sich im Online-Bereich wieder, die älteren im Printbereich und sind befremdet, dass erstere ab und an die Hand beißen, die sie doch bezahle. Die vierte Gewalt ist in eigener Sache befangen.

Dabei zeigt dieser Stellvertreterkrieg vor allem eines: dem Wandel der Kommunikationsmedien wird man sich nicht entgegenstellen können. Auch Sondergesetze wie sie von Herrn Burda zuletzt gefordert wurden, haben noch selten einen gesellschaftlichen Übergang zum Halten gebracht. Darüberhinaus verliert man rapide die Unterstützung der Autoren, wenn man wie die FAZ agiert.

Die Krise der Zeitungsverlage zeigt sehr deutlich, dass die von Musik- und Filmindustrie immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragene Argumentation vom bösen Filesharing, das man nur beseitigen müsse, eben nichts anderes als ein Pfeifen im Walde der Informationsgesellschaft ist, mit dem man sich auch selbst gerne einreden möchte, dass es ein Zurück zum gestern gebe – zur Not mit einem Gesetz zur Bekämpfung der Zukunft in Kommunikationsnetzen (Zukunftserschwerungsgesetz).

5 Antworten to “innere Zerissenheit”

  1. dgehse Says:

    „[…]zur Not mir einem Gesetz zur Bekämpfung der Zukunft in Kommunikationsnetzen (Zukunftserschwerungsgesetz).“

    Mindestens genial formuliert!🙂

  2. Piratenpartei - Pressespiegel | crank.to Says:

    […] Nanuk.wordpress.com, 08.07.2009 – innere Zerissenheit […]

  3. Schwarzmaler Says:

    Wobei ich das für mich nicht verstehe – ich bin (fast) Tag und Nacht im Internet, aber ich liebe es, mit der Zeitung in der Hand Kaffee zu trinken. Was für mich allmählich stirbt ist Fernsehen. Qualitätsvolle Medien wie FAZ, Spiegel und ZEIT werden das Internet überleben. Hoffe ich.


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