eine eigentlich unnötige Erwiderung

Ich hatte eigentlich vor, eine Erwiderung zu schreiben.

Eine die beginnt mit den Worten: „Es klingt alles immer so heroisch: Wer wird die Nachtwachen und die Einsamkeit literarischer Produktion noch auf sich nehmen, wenn kein Anwalt mehr mit Abmahnungen von im Netz unbefangen agierenden 12-jährigen die deutsche Leitkultur verteidigt?“

Eine, die genausoviele Zeichen hat, wie der Artikel von Frau Gaschke. Dazu wollte ich mir noch schnell das PDF der Ausgabe 18 der ZEIT besorgen, damit ich nicht die Buchstaben meiner am Düsseldorfer Hauptbahnhof erworbenen Print-Ausgabe zählen muss, dann hab ich gesehen, dass der Artikel ja auch online verfügbar ist.

Eine, die den plumpen Versuch, die Wissenschaft als Unterstützer eines wissenschaftsfeindlichen Urheberrechts heranzuziehen mit dem Verweis auf die ‚Göttinger Erklärung‘ [1] kontert.

Eine, die klarstellt, dass die Ideologen auf Seiten der Erfinder des Begriffs ‚geistiges Eigentum‘ sitzen und nicht bei denen, die diese Ideologie in Frage stellen, ganz ohne eine eigene an deren Stelle zu setzen.

Eine, die die Wendung „Missbrauch bereits existierender Werke“ (nach der Erwähnung von „Netzseiten mit kinderpornografischen Inhalten“) als einer fiktiven Himmler-Plakette würdigen Sprachgebrauch wertet.

Eine, die das verwendete ‚uns‘ in ‚unsere Kultur‘ und ‚unsere kulturelle Zukunft‘ als reaktionäres Pfeifen im Walde einer selbsternannten Kulturdeuterkaste entlarvt.

Diese Erwiderung wollte ich der ZEIT anbieten und alternativ hier in meinem Blog veröffentlichen.

Dann habe ich beim eingehenden Studium des ZEIT-Artikels ‚Im Netz der Piraten‘ [2] von Frau Susanne Gaschke festgestellt, dass der Artikel eine solche Erwiderung nicht wert ist. Der Artikel demontiert sich bereits selbst. Und ich habe festgestellt, dass ich unabhängig davon eine solche Erwiderung auch gar nicht mehr an die ZEIT schicken will (wer einen anspruchsvollen Text zu dem Thema lesen will, möge ab 5.5.2009 das Editorial der Ausgabe 05/2009 der Zeitschrift ‚Multimedia und Recht‘ [3]lesen). (<- UPDATE)

Der Grund warum ich hier dennoch darüber schreibe ist einzig die Tatsache, dass ich selbst einmal Abonennt der ZEIT gewesen bin, und mir aus jenen Jahren Frau Gaschke als Journalistin eher positiv in Erinnerung ist – umso bedauerlicher, dass sie hier als Anwältin in eigener Sache so eine schlechte Figur abgibt, wo doch „der professionelle Journalismus“ gegen die Konkurrenz „durch Jedermann-Reporter“ verteidigt werden muß. Für einen Leitartikel sollte man auch argumentativ auf der Höhe der Debatte sein, die diebische Freude über ein STOPP-Schild im Internet reicht einfach nicht.

4 Antworten to “eine eigentlich unnötige Erwiderung”

  1. Jan Huwald Says:

    > Eine, die das verwendete ‘uns’ in ‘unsere Kultur’ und ‘unsere kulturelle Zukunft’ als reaktionäres Pfeifen im Walde einer selbsternannten Kulturdeuterkaste entlarvt.

    Kukturdeuterkaste. Kürzer konnte ich es auch noch nicht sagen🙂

  2. Alexander Krug Says:

    was du völlig vergessen hast ist der umstand, dass dein posting hier sinnlos in allgemeiner zustimmung der fühf zufälligen leser verpufft, während eine replik in der zeit eine menge leute erreichen kann, die sich einfach noch nicht mit dem thema beschäftigt haben und den artikel von frau gaschke evtl als „die richtung, in dies jetzt weiter geht“ abnicken.

  3. nanuk Says:

    vergessen nicht. Wenn ich aber unter dem Namen Piratenpartei zu diesem Traktat eine Erwiderung schriebe, dann hätten die Leute den falschen Eindruck, Frau Gaschke würde eine ernstzunehmende Gegenposition zu meiner vertreten, das ist aber einfach nicht ernstzunehmen, insofern ist es besser, wenn jemand ohne den Stempel ‚Pirat‘ dies in der Luft zerreißt. Wenn die ZEIT an einer echten Debatte interessiert ist, kann sie mich gerne kontaktieren. Nach diesem Leitartikel bezweifle ich dies einfach.

  4. Zottel Says:

    Schön ist zumindestens das bei den Komentaren der Artikel sehr schön zerissen wird.


Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: