MEIN 810

Der Genmais MON 810 darf nun nach einer Entscheidung der Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Deutschland vorerst nicht mehr angebaut werden. [1]

Dieser Konflikt scheint im ersten Moment argumentativ nur zwischen den ‚zurück-zur-Natur‘-Bewegten [2] und den Fortschrittsgläubigen [3] ausgetragen zu werden. Aber ist es wirklich widernatürlich, wenn man Forschung und Fortschritt auch in der Landwirtschaft für sinnvoll hält,  oder ist es wirklich forschungsfeindlich, wenn man keinen Genmais mag?

Zum Glück nicht. Der wichtigste Aspekt ist auch hier wie so oft der wirtschaftliche, nur eignet der sich nicht gar so schön für einen fundamentalistischen Disput. Aber warum möchte denn die Firma Monsanto so gerne ‚zu nachhaltigen Lösungen für den weltweit wachsenden Bedarf in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung bei[zu]tragen‘ – na klar, nicht weil dort Mutter Teresa die Konzernchefin ist, sondern weil man gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere mittels Patentierung zu einer dauerhaft lukrativen Einnnahmequelle machen kann. Dauerhaft bedeutet dabei beispielsweise, dass die Landwirte aus dem einmal gekauften Saatgut nach der Ernte kein neues Saatgut selbst gewinnen können (und dürfen), sondern dieses jedes Jahr erneut bei Monsanto kaufen müssen:eine Art Downgrade der natürlichen Verhältnisse – möglich geworden durch modernste Forschung.

Ohne diesen Patentschutz würde also der gentechnisch veränderte Organismus nach seiner Freisetzung in der Natur wieder in den Allgemeinbesitz übergehen, analog zu dem, was für ’normalen‘ Mais gilt. Vor dem Hintergrund, dass diese Organismen nach ihrer Freisetzung ja auch uneinfangbar die Biosphäre der Allgemeinheit beeinflussen, sollte man doch meinen: genau so muss es sein!

Der wichtigste Schritt ist also: Keine Patente auf Leben! Weder Mais noch Schweine verdienen ihren Ausverkauf.

Ein Forschungsgegner ist man damit keineswegs. Auch die gentechnische Forschung wird dem Menschen nützliche und weniger nützliche Fortschritte bescheren. Allein bei der Beurteilung, welche dieser Möglichkeiten wie umgesetzt werden sollten, muß man die Frage ‚cui bono‘ (Wem zum Vorteil?) stets im Auge haben.

Veröffentlicht in Wirtschaft. 1 Comment »

Eine Antwort to “MEIN 810”


Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: