Frau Hoppe (und Frau Schmitt)

Lassen wir zunächst den ‚Westen‘ sprechen, sonst werden Sie es mir nicht glauben:

„Das Jugendamt in Dortmund hat am Donnerstag ein mittelalterliches Spektakel abgesagt, das in der ersten Osterferienwoche in der Jugendfreizeitstätte Hombruch laufen sollte. „Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so Fachbereichsleiterin Elisabeth Hoppe, „muss das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”.„Tremonias Erben III” stand ursprünglich auf dem Spielplan.“ [1]

Frau Hoppe hat Bedenken „in Richtung Gewaltprävention“, vor allem nach dem Amoklauf von Winnenden. Das ist in der Tat unschlagbare Realsatire, wie Heinrich Lenhardt hinreichend ausführt.[2] Zugleich ist dies auch die Zurschaustellung von unglaublicher Dummheit und Naivität, wie der absolut lesenswerte Artikel von Boris Schneider-Johne [3] zur Berichterstattung zum Amoklauf von Winnenden erklärt. Ich selber hatte mich nach dem mediengehypten offenen Brief von 6 der Opferfamilien noch zurückhalten können, Boris zum Glück nicht. Wie angemessen wäre es doch gewesen, zunächst mal eine Zeit der Trauer geschehen zu lassen, bevor man unter dem Eindruck größten Schmerzes und ohne weitere Kenntnisse meint, populistische Forderungen mit seinem eigenen Schicksal untermauert stellen zu müssen. Wir alle warten auf den Brief: 4000 Opferfamilien fordern Verbot des Autoverkehrs in Deutschland. Und ja: diese Pietätlosigkeit haben sich diese 6 Familien traurigerweise selbst verdient. Schande allerdings über die ‚Journalisten‘ die es sich zur Angewohnheit gemacht haben, in jedes tränenschwangere Gesicht hineinzuzoomen, und damit doch nur ihre eigene Würdelosigkeit dokumentieren, die sie gerne mit dem Voyeurismusbedarf ihrer Zuschauer rechtfertigen.

Doch zurück zu Frau Hoppe. Sie ist sicherlich besorgt. Sie ist außerdem sicherlich fehlinformiert von den Nutznießern des Amoklaufs von Winnenden, nämlich den Pfeiffers und Hermanns und letztlich den Schäubles und v.d.Leyens, die diese Schreckenstaten eiskalt zur Unterstützung ihrer einsamen Kreuzzüge heranziehen.

Angst machen kann einem dabei nur, dass Frau Hoppe (oder auch Frau Schmitt[5]) im Jugendamt der Stadt Dortmund arbeiten. Diese Jugendämter sind es ja, die nun mehr und mehr Kompetenzen und auch Macht eingeräumt bekommen, um u.a. dem immer wieder vorkommenden (aber ebenfalls medial gehypten) Problem der Verwahrlosung von Kindern beizukommen und irgendwie auch sonst den Nachwuchs auf Linie zu bringen.

Wenn demnächst also bei Ihnen ein Besuch des Jugendamts ansteht, schalten Sie besser die Tagesschau mit dem neuesten Bericht aus Afghanistan nicht ein und verstecken Sie Ihre Brotmesser und das ‚Mensch ärgere Dich nicht‘-Spiel.

Und liebe Stadt Dortmund: was für Leute werden denn bei Euch aus öffentlichen Mitteln bezahlt ?

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