Kinderpornos nicht mit dem Bade ausschuetten

Jaja, der Titel ist wirklich übel, aber bei den Bild- und Videodarstellungen von sexuellen Mißbrauchstaten an Kindern hört der Spaß ja auch nun wirklich auf. Ist es beim Kampf gegen das Böse äh gegen den Terror noch ‘alles Menschenmögliche’, das getan werden muß, so müssen wir bei der Bekämpfung von Kinderpornos (gerne im Internet, also die Bekämpfung) darüber noch hinausgehen: es gibt eigentlich nichts, was da nicht erlaubt sein muss.
Nunjaaa: sagen wir mal Lynchjustiz. Hat einen hohen Befriedigungsfaktor, ist aber durchaus problematisch, wenn man mal den Falschen erwischt und das kommt ja bekanntlich häufiger vor.
Also dann doch vielleicht wenigstens Folter? Also nur ein bißchen natürlich, so wie beim Fall von Daschner gegen Gäfgen.
Kann sich leider schnell verselbständigen, siehe Abu-Ghuraib-Gefängnis oder Guantanamo. Allerdings sind die meisten Menschen in Deutschland wohl ohnehin der Meinung, dass ‘diese Täter’ ja ohnehin zu lasch angefasst werden, unabhängig davon, ob diese Täter Täter oder Verdächtige sind.
Aber fühlen wir uns wirklich besser, wenn wir mal dem ein oder anderen Täter so richtig die Fresse polieren oder den Pädophilen die Weichteile abschneiden? Den meisten Opfern wird das wohl nicht weiterhelfen. Und es stellt sich hoffentlich die Frage: würden wir uns dabei nicht auf das Niveau von Verbrechern begeben? Womöglich sogar staatlich institutionalisierte Verbrechen begehen? Auge um Auge, Zahn um Zahn, ist das insgeheim der Artikel 1 b des Grundgesetzes? Oder doch eher die Philosophie von Straßengangs und Mafiabanden.
Was das ganze jetzt mit dem Gesetzentwurf zur Sperrung von Kinderporno-Webseiten zu tun hat?
Nun, er vermittelt den Eindruck, dass man jetzt radikal durchgreift, schliesslich muss man ja zeigen, dass man mindestens das Menschenmögliche tut. Leider ist die beabsichtigte Vorgehensweise recht wirkungslos, beruhigt also das Gewissen, verhindert aber nicht die Verbreitung von Kinderpornos an diejenigen, die dafür Geld zu zahlen bereit sind.
Sie ähnelt dem Versuch, einen Versender von Briefbomben dingfest zu machen, indem man auf allen Briefumschlägen der Republik nachschaut, ob auf dem Kuvert ‘Briefbombe’ draufsteht.
Die gleichzeitige Verabschiedung von der Nichtexistenz einer staatlichen Zensur bekommt dabei erst dann etwas Farbe, wenn man die jetzt schon erhobenen Forderungen betrachtet, “auch Rassismus und Gewaltverherrlichung, Volksverhetzung oder Nazi-Propaganda dürften im Netz nicht geduldet werden”.
Man ist versucht, noch ein letztes Mal ‘Jehova, Jehova’ durchs Netz zu rufen, bevor dies mit Steinigung belegt wird.
Das große Downgrade des Internets zum Fernseher soll also weitergehen, offenbar ist eine nicht staatlich kontrollierte Kommunikation ein Stachel im Fleisch der Machthabenden. Viele von ihnen meinen ja ohnehin, das Internet würde funktionieren wie Rundfunk, oder wie Telefon, oder zumindestens so ähnlich.

[1] “Wirtschaftsminister hat Gesetzentwurf zu Kinderporno-Sperren schon fertig”

[2] “Experten betrachten geplante Kinderporno-Sperrmaßnahmen als wirkungslos”

[3] “Internetzensur: Die grossen Lügen der Ursula von der Leyen”

UPDATE:

[4] “Die Legende von der Kinderpornoindustrie”

[5] “Zahlenspiele des Familienministeriums”

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